Filbinger-Riggert, Susanne

 Vita

Geboren 1951, in Freiburg als ältestes von fünf Kindern von Inge und Hans Filbinger.

Nach dem Abitur an der Klosterschule Wald studiert sie Geschichte und Politik in Freiburg, Tokio und München, sowie Volkswirtschaft an der London School of Economics. Ihre Karriere führt sie nach New York und Washington D.C.

Nach 15-jährigem Auslandsaufenthalt bringt Sie die Gründung ihres eigenen Beratungsunternehmens zurück nach Deutschland. Im Dreieck Neuss, Düsseldorf, Köln findet sie ihren neuen Lebensmittelpunkt in Meerbusch.

Seit 2007 besucht sie Autoren- und Schreibseminare und beginnt parallel dazu ihr erstes Buch zu schreiben, dass 2013 unter dem Titel „Kein weißes Blatt“ erscheint.

Aktuell und um viele Erfahrungen reicher bietet sie Workshops zum Thema „Vom weißen Blatt zum fertigen Text“ an.

Neben ihrem Beruf engagiert sie sich ehrenamtlich in verschiedenen politischen, christlichen, kulturellen Organisationen und Institutionen.

Susanna Filbinger-Riggert ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Weitere Informationen  unter www.susanna-filbinger-schreibt.de

 

Buchveröffentlichung:

Kein weißes Blatt

Eine Vater Tochter Biografie

Campus Verlag

Frankfurt, 2013

 

Über Werk und Autor

Susanna Filbinger-Riggert, Jahrgang 1951, erlebt als junges Mädchen den politischen Aufstieg ihres Vaters zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg ebenso mit wie seinen jähen Fall im Jahr 1978, als er sich konfrontiert mit den Vorwürfen über seine Marinerichter-Tätigkeit in der NS-Zeit zum Rücktritt gezwungen sieht. Doch die Vergangenheit des Vaters hat sie nie losgelassen. Die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit wird zu einer Reise zu den eigenen Wurzeln ­– und zu sich selbst.

(Klappentext „Kein weißes Blatt“, Susanna Filbinger-Riggert, Campus Verlag, 2013)

 

Textprobe

„Das hast du doch nicht gemacht, oder? Du hast doch keine Todesurteile gefällt, oder?“ Wir saßen natürlich mal wieder am Abendbrottisch, aber Vater bat mich in die Bibliothek.

„Warum hast du nie darüber gesprochen?“

Dieses Gesicht – und wie die Worte aus diesem Gesicht herauskamen. Und diese Worte enthielten weder ein Ja noch ein Nein als Antwort. Stattdessen eine ungeheuer lange Erklärung, der ich zu folgen versuchte. Von Pfarrer Möbius und Guido Forstmeier sprach er, deren Leben er gerettet hatte und wie er das gemacht hatte, wie man Todesurteile in Haftstrafen umwandeln konnte. Er sprach von Militärjustiz und NS-Recht, von Fahnenflucht und von Todesstrafe, von international anerkanntem Militärrecht und wieso man in britischer Gefangenschaft noch immer Disziplin aufrecht hatte erhalten müssen und wieso er das hatte machen müssen ... und ich sah immerzu in dieses Gesicht. Ich versuchte zu verstehen, ja, das versuchte ich durchaus (…).
 

Kein weißes Blatt. Eine Vater Tochter Biografie, S. 141-142
 

„Es ist dunkel im Raum, als Erstes gehe ich zu den Vorhängen und ziehe sie zur Seite, ich schalte die Lampen an, drehe die Heizkörper auf. Ein zartes Spinngewebe, fast unmerklich, streift meine Hand, ich ziehe sie erschrocken zurück.

Ich lasse den Blick durch den Raum schweifen: die wandhohen Regale, erdrückend, wie ich schon immer fand, sein großer Schreibtisch, ein Stehpult, eine Sitzecke, zwei Armsessel vor dem Fernseher und viel Raum zum Auf- und Abgehen. Wie oft ist er hier auf- und abgegangen, hin und her. Und wie oft habe ich dabei gesessen und ihm zugehört. Auf dem Couchtisch liegt ein Stapel Kondolenzbriefe, alles ist überzogen von einer feinen Staubschicht. Keine Frage, hier war seit Monaten kein Mensch mehr. Mir fällt eine Anekdote von Picasso ein. Der Maler hatte sich ungeheuer aufgeregt, als eine seiner Frauen in seinem Atelier ungefragt Staub gewischt hatte. Er brauche den Staub, nur so könne er sehen, was bewegt worden war. Wie still es hier ist. Bücher, die nicht gelesen werden, schweigen ungeheuer laut. (…) Jetzt poltert es in den Heizkörpern. Lange werde ich nicht bleiben, beschließe ich, gehe zu den großen Glasschiebetüren und öffne sie. Wie viel heller es mir jetzt draußen vorkommt, obwohl der Himmel noch immer bedeckt ist. Fern der Schwarzwald, vor mir am Hang unser desolater Garten. Ich bin hier groß geworden. Hier im Garten habe ich das Laufen gelernt, sprechen gelernt, denken gelernt, fühlen gelernt. Wirklich? Hab ich hier fühlen gelernt? Oder war das woanders?“
 

Kein weißes Blatt. Eine Vater Tochter Biografie, S. 10-11

 

Pressezitate

Stuttgarter-Zeitung, 18.05.2013 „Ein erstaunlich freimütiges, ein berührendes und zudem sehr gut geschriebenes Buch.“
 

Rheinische Post, 16.07.2013 „Es geht um das Leben einer Frau, die zu Beginn der Emanzipationsgeschichte laufen lernt, die sich zu ihrem konservativen wie beschützenden Elternhaus neu positioniert.“
 

Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2013 „Susanna Filbinger ist ein berührendes, differenziertes, kluges Buch gelungen.“
 

Rheinische Post, 22.07.2013 „Susanna Filbinger-Riggert hat ihr Leben aufgeschrieben. Sie hat sich in ihrem Buch auch auf Spurensuche nach dem Vater begeben.“
 

Der Spiegel, 21.09.2013 „(…) dieses Buch zu schreiben, sei eine Entscheidung fürs Leben gewesen.“

 

Warum ein Buch?

Mein Anliegen, ein Buch zu schreiben, ist aus meiner Lebensgeschichte mit einem prominenten, aber auch polarisierenden Familiennamen erwachsen. Wie war es, als Tochter eines erfolgreichen und als umstritten geltenden Politikers in den 60er und 70er Jahren ­– gesellschaftlicher Aufbruch, RAF-Terrorismus, die Wende ‘89 – aufzuwachsen und trotzdem den eigenen Weg zu finden? Ein Weg mit vielen „Ups und Downs“, der zuweilen kurvig, zuweilen steil bergauf verlief, aber auch hinab ins Tal führte. Das Buch „Kein weißes Blatt“ schildert meine ganz persönlichen Erfahrungen als Familienmitglied des „Filbinger-Clans“, befasst sich zwangsläufig aber auch mit meinem Blick auf ein Stück bundesdeutscher Zeitgeschichte.