Schäfer, Gisela

Gisela Schäfer 

1935 in Hagen geboren, lebt seit 1945 im Raum Dormagen, seit 1970 in Nievenheim. Sie ging in Neuss zur Schule (Gymnasium Marienberg) und arbeitete nach ihrem Pädagogikstudium in Köln 35 Jahre an der Volks- und Grundschule in Delrath.

Obgleich sie schon als Heranwachsende gerne schrieb, konnte sie sich diesem Hobby erst intensiver widmen, seit sie im Ruhestand ist, da ihr früher Beruf und Familie (drei Kinder) keine Zeit dafür ließen.

Ihre Genres sind Kurzgeschichten, Glossen, spirituelle und Sachtexte, Märchen, Kindergeschichten, Lyrik. 


Veröffentlichungen:

„Am Ende wird alles gut“ (Kurzprosa um das Thema „Tod“), Tebbert-Verlag
„Peinlich, peinlich“ (Glossen), Bändchen der Taschenbuchreihe Edition Heikamp, Crago-Verlag
„Tautropfen & Morgenkuss“ (Gedichte), Engelsdorfer Verlag
Mit Mitautorinnen: „Wunder-volle Erfahrungen“ (Kurzprosa über die Dinge zwischen Himmel und Erde), Engelsdorfer Verlag
„Gefühlte Worte“ (Gedichte), Realis-Verlag
„Der Beste aller Männer“ (Kurzprosa, humorig), Bändchen der Taschenbuchreihe Edition Heikamp,  Crago-Verlag
„Erzähl mal, Oma“ (Kurzprosa. Geschichten von früher), Engelsdorfer Verlag
„Ein Leben. 1909 bis 1991“ (Biografie), Selbstverlag
Eine Reihe von Kinderheftchen und vier Heimatgeschichten im Selbstverlag
Gisela Schäfer gehört seit Jahren der Schreibwerkstatt der VHS Dormagen an und ist Mitglied der Autorengruppe „Kleeblatt“ (unabhängige Vereinigung von Autoren im Rhein-Kreis Neuss). Texte von ihr finden sich in zahlreichen Anthologien und Wochenschriften, in österreichischen Literatureditionen und in Internetforen.


Textprobe (aus der Biografie „Ein Leben – 1909 bis 1991):

1909

Die Kirche war aus. Die Gottesdienstbesucher stiegen die hohe Treppe hinab zur Straße. „Hast du schon gehört“, sagte eine Frau zu der neben ihr Gehenden, „dass die Deuster schon wieder ein Kind gekriegt hat? Das sechste!! Jetzt könnte sie ja wirklich aufhören. So viel bringt der Mann ja auch nicht nach Hause.“ „Was macht der beruflich?“, fragte die andere. „Er ist Former. Guck dir die Kinder mal an. Die sehen doch alle aus, als hätten sie nicht satt zu essen.“ „Aber sie sind gut erzogen“, entgegnete die eine. „Schon. Aber was nützt das, wenn sie nichts zu beißen haben?! Was wird aus solchen Kindern? Die kommen doch nie aus der Armut heraus!“
Das Thema beschäftigte die beiden noch einige Minuten, dann hatten sie ihre Straße erreicht. Ein hoher Häuserblock ragte vor ihnen auf, grau und schmucklos. Gerade kamen drei Deuster-Kinder aus der Haustür, den Ranzen auf dem Rücken, die Mädchen mit Schürzen über den Kleidern, der Junge in kurzer Hose, bescheiden gekleidet, alle drei, aber sauber. Die Große hielt den kleinen Bruder an der Hand. „Grüß Gott“, sagte sie im Vorbeigehen und knickste. Die Jüngere tat es ihr nach. Der Sechsjährige sagte nichts. Die Frauen schauten den Kindern nach. „Sie hätte dem Jungen ja auch etwas Benehmen beibringen können“, kritisierte die eine. „Aber dazu hat sie ja bei dem Stall voller Blagen keine Zeit!“ „Du redest daher, als hättest du keine Kinder“, sagte die andere. „Immerhin hast du ja auch vier. „Vier sind nicht sechs“, kam die Antwort. „Außerdem leben wir seit dem letzten Kind in einer gottgewollten Josefsehe. Da kommt nichts mehr.“ Die andere verschluckte sich fast an nicht ausgesprochenen Worten. Man munkelte seit einiger Zeit, dass der Nachbar mit der blonden Baumann, die allen Männern schöne Augen machte ... Aber sie sprach es nicht aus und nickte der bigotten Nachbarin nur hustend zum Abschied zu.