Kaminski, Andreas

Andreas Kamisnki
Als Andreas Kaminski 1969 im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen.
Mittlerweile bin ich gut integrierter Rheinländer: ich lebe und arbeite in
Neuss-Uedesheim. Im “Brotjob” bin ich freiberuflicher Unternehmensberater,
privat Krimi-Fan und spät berufener Krimi-Autor. Der Besuch eines
Schreibseminars im Mai 2011 hat mich zum Schreibtischtäter gemacht. Seitdem
schreibe ich unter dem Pseudonym „Kriminalinski“. Meine Kurz-Krimis sind in
zahlreichen Anthologien und als E-Book zu lesen. Seit 2012 verstärke ich die
Krimi-Fraktion der Autorengruppe Die R(h)einschreiber (vormals Kleeblatt).
Darüber hinaus war ich für den Agatha-Christie-Krimipreis 2013 nominiert.
Mehr zu mir unter http://www.kriminalinski.de/

Bisherige Veröffentlichungen:

*         “Der Königsraub von Kaiserswerth” in der Anthologie “Klerus, Pest
und Jungfernkranz“, edition oberkassel, Düsseldorf, 2011, ISBN
978-3-943121-04-9

*          „Der Tod der alten Dame“ in der Anthologie „Düsseldorf
linksrheinisch“, edition oberkassel, Düsseldorf, 2012, ISBN 978-3943121-094

*          „Iss und stirb“ in der Anthologie „Mordsküche: Eiskalt um die Ecke
serviert“, Der Kleine Buch Verlag, Stuttgart; 2012, ISBN 978-3-942637-15-2

*          „Grüner Tod“ in der Anthologie „Nachhaltig tot“, edition
oberkassel, Düsseldorf, 2013, ISBN: 978-3-943121-21-6

*         “Nürnberger Himmelfahrtskommando” in der Anthologie
“Schreibaffairen“, art&words, Nürnberg, 2013, ISBN 978-3-943140-27-9

*         “Protokoll eines perfekten Verbrechens” in der Anthologie “Eine
Frage des Alibis“, Verlag Fischer Taschenbuch, Frankfurt, 2013, ISBN
978-3-596-19706-4

*         “Todsicher“, E-Book, Krimi-Sammelband, edition oberkassel,
Düsseldorf, 2013, ASIN: B00BQ9HQU6
 

Leseprobe (aus: „Der Tod der alten Dame“ in der Anthologie „Düsseldorf
linksrheinisch“, edition oberkassel, 2012)

Bei der Erdrosselung eines Menschen tritt der Tod nach ungefähr fünf bis
zehn Minuten ein. Das Opfer erstickt qualvoll. Im Allgemeinen führt die
Unterbrechung des Blutstroms in Richtung Gehirn zum Tod, ausgelöst durch das
Zuziehen einer Schlinge. Während der Strangulation durchläuft das Opfer in
seinem Todeskampf mehrere Phasen, die jeweils ein bis zwei Minuten dauern.

Zunächst verstärkt sich noch die Atemtätigkeit des Opfers, doch aufgrund der
rasch eintretenden Atemnot, ausgelöst durch die Einengung der oberen
Luftwege, verliert es innerhalb weniger Sekunden das Bewusstsein. Als Folge
dessen leiten Erstickungskrämpfe die zweite Phase ein. Der Pulsschlag ist
meist beschleunigt und der Blutdruck erhöht. Nicht selten kommt es zu Urin-
und Kotabgang. Das Ende eines Menschen beginnt mit der Atemlähmung,
einhergehend mit einem Abfall des Blutdrucks, und wird schließlich durch
Schnappatmung und endgültigen Atemstillstand besiegelt.

„Was siehst du?“ fragte Brunner mich, als wir eine Weile stumm vor der
Leiche im Schlafzimmer hockten.

Hauptkommissar Johannes Brunner nahm sich gern Zeit, um die Dinge zu
betrachten und das Wesen einer Sache wirklich zu verstehen. Manchmal
verbrachte er Stunde um Stunde allein am Tatort – um die Umgebung auf sich
wirken zu lassen, wie er mir einmal sagte – und spielte dabei in Gedanken
zig Mal den Tathergang durch. Brunner prüfte dabei jedes Detail von Neuem
und aus immer anderen Blickwinkeln. Beinahe schon meditativ. Seine
Ergebnisse erstaunten mich jedes Mal. Ich war wirklich froh, mit ihm
arbeiten zu dürfen, denn ich lernte viel von Jo Brunner. Vor allem lernte
ich seinen trockenen, bis weilen schwarzen Humor zu schätzen.

„Nun…“ wagte ich mich langsam aus meiner gedanklichen Deckung hervor, „… wir
haben es mit einer weiblichen Leiche, einer alten Dame, zu tun, die allem
Anschein nach erdrosselt wurde.“

Brunner blickte kurz zu mir her, so, als ob er mir für diese messerscharfe
Analyse den Nobelpreis für Medizin überreichen wollte. Doch er sagte nichts.

„Die Tat wurde vermutlich mit dem Gürtel des Bademantels verübt, den die
Dame trägt. Der Gürtel, der hier neben ihrem Kopf liegt.“ führte ich meine
Beobachtungen fort.

„Hausmantel“ korrigierte Brunner mich pedantisch. „Hier in Oberkassel trägt
man Hausmäntel, keine Bademäntel, Frank!“

Ohne auf Brunners Belehrung näher einzugehen, fixierten meine Augen den Hals
der Leiche.

„Ich sehe deutlich eine Drosselmarke, die horizontal verläuft und
gleichmäßig tief in den Hals einschneidet. Das Gesicht des Opfers ist
bläulich verfärbt und stark aufgedunsen. Aus Ohren, Nase und Mund ist Blut
ausgetreten“ schloss ich meine Beobachtungen ab und stellte nach einer
kurzen Gedankenpause, in der im gesamten Raum absolute Stille, ja beinah
eine vor Spannung knisternde Atmosphäre herrschte, zusammenfassend fest:

„Das Opfer wurde eindeutig erdrosselt, Chef!“

„Eindeutig toll auswendig gelernt, du Gymnasiast!“ antwortete Brunner
postwendend, ohne mich dabei anzusehen. Stattdessen wanderte sein Blick, von
meinen Feststellungen unberührt, über die vor uns liegende Leiche. Die
Kollegen der Spurensicherung kicherten leise über Brunners Art, meine kurzen
Ausführungen zu interpretieren, setzten ihre Arbeiten ansonsten kommentarlos
fort.

„Mein lieber Frank Nowak…“ fuhr Brunner süffisant fort „… du „Kommissar auf
Probe“ hast deinen Hintern viel zu lange auf der Schulbank platt gesessen.
Heißt „Bachelor“ – er meinte damit den Abschluß meiner
Fachhochschulausbildung zum Kriminalkommissar – eigentlich „Anfänger“?“

Die Kollegen der Spusi prusteten kurz, aber heftig los.

„Ach komm Franky…“ versuchte Brunner mich wieder einzufangen, „… ich hab´
doch nur einen Scherz gemacht. Hast du wirklich gut beobachtet.“

Leises Lachen in den Reihen der Spusi.

„Wieso befindet der Gürtel sich neben und nicht um den Hals des Opfers?“
fragte Brunner rappeltrocken in den Raum.

Totenstille.